Dünne Luft und dickes Eis

Der Berg rief und ich bin gefolgt. Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich mich nach intensivster Vorbereitung an die Besteigung des Chachanis machen wollte. 6075m hoch und irgendwie cool.

Schnell den Unterricht am Freitag abgesagt (als Belohnung habe ich jetzt die nächsten Tage jeden Tag 5h Spanisch am Stück) und mich auf die Suche nach einem Anbieter gemacht, bei dem ich die Chachani-Tour buchen kann. Nach einigem hin und her (sorry, nicht genug Leute um 17h; Oh, jetzt sinds doch 3, willst du noch um 20h) konnte ich dann also buchen. Freitag um 8h dann die nächste Überraschung. Es waren insgesamt 6 Touris im Jeep. Dazu kamen dann noch der Fahrer und 2 Guides.

Da ich mal gar nicht für Kälte und Berge ausgestattet bin, wurde ich im Büro der Agentur erstmal mit dem wichtigsten eingedeckt. Hikingschuhe, Skihose und Jacke, Fleecepulli, Stöcke, Handschuhe, Schlafsack, Isomatte, Zelt, Stirnlampe. Sauschwer der ganze Krempel und leider auch nicht besonders hochwertig. Dazu später mehr. Dazu dann noch die Sachen die ich selbst dabei hatte und 6 Liter Wasser. Und fertig war der 20kg Rucksack.

Nach 3h Fahrt über fragwürdige Feldwege waren wir dann endlich am Ausgangspunkt angekommen. Rucksack umgeschnallt und innerhalb von knapp 2h gings zum Basecamp auf 5300m Höhe. Es waren zwar irgendwie nur 100 Höhenmeter aber allein das war schon super anstrengend mit dem schweren Rucksack. Im Basecamp angekommen schnell das Zelt aufgebaut und um 16h bereits zu Abend gegessen (lecker Suppe sowie Spaghetti mit Tomatensoße). Am nächsten Tag sollte es um 2h auf den Berg gehen.

Chachani Basecamp – 5300m

Wie ihr seht waren wir ziemlich alleine. Abends gab es dann erst einen Hammersonnenuntergang und eine sternenklare Nacht:

Sonnenuntergang im Basecamp

Natürlich war es saukalt die Nacht. Alles was ich an Klamotten hatte habe ich angezogen. Trotzdem habe ich elendig gefroren. Unter anderem weil das ausgeliehene Equipment nicht sonderlich gut war. Der Schlafsack war Mist, Fleece und Skihose auch eher aus den 70ern und dementsprechend gut. Die Höhe tat dann ihr übrigens und so war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Ich war mehr oder weniger die ganze Nacht wach und habe mich nur von einer Seite auf die andere gedreht. Dementsprechend fit war ich dann am nächsten morgen um 1h beim Aufstehen.

Zum Glück konnte wir nahezu unser gesamtes Equipment im Basecamp lassen und ich bin nur mit 2l Wasser und ein paar Snacks sowie ein paar weiteren warmen Sachen aufgebrochen. Der Plan sah vor immer 40min zu laufen und dann eine Pause zu machen. Und am Anfang Vollgas geben da wir am Ende eh keine Kraft mehr hätten, allerdings durch den nahenden Gipfel motiviert genug wären. Eigentlich ein guter Plan. Allerdings wusste ich so immer, wie lange wir schon unterwegs sind und wie lange es noch bis zum Gipfel war. Das war ein ziemliches Wechselbad der Gefühle. Die ersten 40min gingen mir viel zu langsam. Das soll „Full-Speed“ sein? Können die bitte mal schneller laufen, ich will zeitig oben sein. Die zweiten und dritten 40min noch einigermaßen okay. Danach gings aber stetig bergab. Etappe 4 und 5 waren ziemlich anstrengend und ich wurde immer mehr ans Ende der Gruppe geschoben. Dazu war es bitterkalt, die Handschuhe waren richtig schlecht und ich dachte mir frieren die Finger ab. Mein Wasser war inzwischen zum Großteil gefroren und ich hatte keine Lust mehr („Hunger, Pipi, kalt!“) In dem Moment dachte ich nicht, dass ich es packen würde. Dann wie versprochen die motivierende Nachricht, dass es noch ca. 1h bis zum Gipfel sei. Ab da ging es fast von selbst. Die letzten 100m gings durch ein Eisfeld, dann eine Linkskurve und das Gipfelkreuz. Ein super geiles Gefühl. Oben erstmal Handschuhe, Stöcke und Rucksack weggeschmissen und rückwärts umfallen lassen. Ich war sowas vom im Sack und gleichzeitig so happy. Kann man schwer beschreiben aber es war einfach geil.

Vom Aufstieg an sich gibt es leider keine Bilder, es war halt einfach noch dunkel.

Und wir waren super schnell. Statt 6-8h haben wir nur 5h für den Aufstieg gebraucht. Der Abstieg ging noch ein bißchen schneller. In nur einer Stunde waren wir wieder unten. Direkt vom Gipfel geht eine Geröllhalde (geiles Wort) direkt bis zum Basecamp. Super steil und eigentlich rutscht man wie auf einer Sandlawine den Berg runter. Spaßig, allerdings bin ich ständig auf die Schnauze gefallen. Irgendwie habe ich mich als einzigster dumm angestellt. Aber gut, ich war auch ziemlich im Sack.

In Arequipa hatte ich mich bereits für Abends mit einem Holländer zum Feiern verabredet und da musste ich dann auch noch durch. Um 3h morgens war ich dann endlich wieder im Hostel.

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